Die Dänen trauern: Prinz Henrik ist tot

Ein Land trauert mit seiner Königin: Prinz Henrik, der Ehemann von Margrethe II., ist mit 83 Jahren auf Schloss Fredensborg gestorben. Das gab das dänische Königshaus am frühen Mittwochmorgen bekannt. „Prinz Henrik ist am 13. Februar um 23:18 Uhr friedlich eingeschlafen. Seine Frau und seine beiden Söhne waren bei ihm”, so die offizielle Meldung des Palastes.

2016 zog er sich in den Ruhestand zurück

Im Januar 2016 hatte die Königin in ihrer Neujahrsansprache, emotional sichtlich bewegt, verlesen, ihr Mann wolle sich in den Ruhestand begeben. Es war ein unerwarteter Schritt. Wie man sich einen Prinzgemahl in Pension vorstellen sollte, wusste man nicht.

Die Dänen witzelten „Der König hat abgedankt“ und spielten darauf an, dass Prinz Henrik sich als Nur-Prinzgemahl immer schlecht behandelt gefühlt hatte. Seine Forderung, den Königstitel zu bekommen und mit der Königin gleichgestellt zu werden, hatte er hartnäckig und immer wieder lautstark bekundet. Derartige Ausbrüche, die in den 1990er Jahren sogar mit einer kurzzeitigen Landflucht verbunden waren, kannte man von ihm. Die Untertanen hatten gelernt, darüber hinwegzusehen. Dass Henrik gesundheitlich angeschlagen war, war offensichtlich, und so gönnte man ihm den Rückzug ins Privatleben. Er hatte seinen Job immerhin 44 Jahre lang gemacht!

Der französische Graf und die dänische Thronfolgerin

Prinz Henrik kam 1934 als Graf Henri de Laborde de Monpezat im französischen Talence zur Welt. Etliche Jahre seiner Kindheit und Jugend verbrachte er in Vietnam und Hong Kong, ehe in Frankreich studierte und dort seinen Militärdienst absolvierte. Er stand in den 1960-er Jahren am Anfang einer Diplomaten-Karriere, als er 1965 bei einem Empfang in der französischen Botschaft die dänische Thronfolgerin Prinzessin Margrethe kennenlernte.

Die beiden trafen sich danach immer wieder. Bei ihrer ersten echten Verabredung funkte es dann gewaltig. Die Königin sagte später, sie habe sich „unsterblich in ihn verliebt“. Die Romanze der künftigen Königin mit dem weltgewandten französischen Grafen blieb fast ein Jahr lang ein wohlgehütetes Geheimnis. Doch die Presse bekam Wind von der Liaison und der Hof kündigte 1966 eine baldige Verlobung an. Margrethe holte ihren Henri höchstpersönlich vom Kopenhagener Flughafen ab. Spätestens ab diesem Moment wusste ganz Dänemark, wen sich die Prinzessin als künftigen Ehemann ausgesucht hatte. Als Diplomat mit adeligen Wurzeln, Sprachbegabung und vielen Interessen schien er bestens gewappnet für sein neues Leben am dänischen Hof.

Neues Land, neuer Name, neue Rolle

Das Paar heiratete 1967 in der Kopenhagener Holmens Kirke. Mit dem Jawort wurde aus Henri de Laborde de Monpezat „Seine königliche Hoheit Prinz Henrik“. Er gab seine französische Staatsbürgerschaft ab, konvertierte und musste Dänisch pauken.

Auf die Hochzeit folgten 1968 und 1969 die Geburten der beiden Söhne Frederik und Joachim. Einige Jahre konnte die Kronprinzessin mit ihrem Mann und den Kindern ein vergleichsweise entspanntes Familienleben genießen. Doch im Januar 1972 starb ihr Vater, König Frederik, – und damit änderte sich die Rollenverteilung deutlich. Margrethe wurde zur Königin proklamiert, Henrik wurde Prinzgemahl und zum Mann in der zweiten Reihe.

Prinzgemahl mit Ambitionen

Was Jahrzehnte vor ihm schon Prinz Philip in England erfahren hatte, musste auch der dänische Königinnen-Ehemann erleben: Für sein neues Amt gab es keine genaue Definition; was von ihm erwartet wurde, musste er selbst herausfinden. Ebenso wie seine Ehefrau interessierte sich Henrik für Kunst und Literatur und übernahm in diesem Bereich viele Schirmherrschaften.

Während Margrethe in ihrer Freizeit malte, Kostüme und Bühnenbilder entwarf, dichtete ihr Gatte und schuf Skulpturen. Gemeinsam übersetzten sie unter einem Pseudonym Simone des Beauvoirs „Alle Menschen sind sterblich“ ins Dänische und stellten ihre Werke aus. In einem seiner Gedichtbände widmete der Prinz unter der Überschrift „A mon teckel“ einige Verse seiner geliebten Dackeldame Evita.

Henriks poetisch-künstlerischen Ambitionen nahmen die Dänen wohlwollend-humorvoll zur Kenntnis. Lange Jahre hatten sie über seinen bleibenden französischen Akzent gespottet und vermisst, dass er mehr des dänischen Lebensstils annahm. Mit der Zeit erkannten sie aber an, dass er die Königin tatkräftig in ihrem Amt unterstützte und zollten ihm dafür Respekt. An die enormen Sympathiewerte, die Margrethe II. bescheinigt wurden, reichten die ihres Prinzgemahls dennoch nie heran. Und in den letzten Jahren litten sie.

Gerüchte und neue Ausbrüche

Denn den royalen Ruheständler zog es immer wieder in den Süden, in die französische Heimat. Zu oft, fanden viele Dänen, denen es missfiel, wie die Königin alleine die royalen Aufgaben stemmen musste. Zwar sprangen Prinz Frederik und Prinzessin Mary mehr und mehr ein. Den Vater beziehungsweise Schwiegervater konnten sie allerdings nicht ersetzen.

Henriks häufige Abwesenheit brachte, nach fast 50 Ehejahren, sogar Gerüchte über seine Ehe auf. Manche Gazette meinte, das königliche Paar steuere auf eine Scheidung zu. Es war wohl aber weniger eine Ehekrise als vielmehr eine gesundheitliche Notwendigkeit, deutlich kürzer zu treten, die Henrik bewegten. Eben weil er nicht an den Thron gebunden war, konnte er seinen Interessen – dem Weinbau, der Kunst und Literatur – als Pensionär nachgehen. Die Königin hatte in ihrer typischen Deutlichkeit mehrfach klargestellt, sie verstehe ihr Amt auf Lebenszeit und mache weiter, bis sie „vom Thron falle“. Ein gemeinsamer Rückzug ins Privatleben konnte daher eigentlich nie zur Debatte gestanden haben …

Neuerliche, verbale Ausbrüche des Prinzen, die deutlicher als zuvor ausfielen, sorgten im Sommer 2017 für Schlagzeilen. Eine Verlautbarung des Hofes sorgte letztlich für traurige Klarheit. Margrethe II. ließ erklären, ihr Ehemann habe sich verschiedenen Untersuchungen unterzogen und die Ärzte seien zu dem Schluss gekommen, er leide unter Demenz. Weiter hieß es, die „Diagnose impliziere eine Schwächung der kognitiven Funktionen“. Verhaltensänderungen könnten die Folge sein, genauso aber eine Veränderung der Urteilsfähigkeit und der Emotionen. Das ließ das Verhalten des königlichen Ehemannes der letzten Monate in einem anderen Licht erscheinen.

Auch bei der Beisetzung geht er eigene Wege

Beigesetzt wird Prinz Henrik nicht im Dom von Roskilde, wo traditionell dänische Könige und ihre Ehepartner ihre letzte Ruhe finden. Im Sommer 2017 ließ der Prinz verkünden, er wolle nicht in dem von einem Künstler gestalteten Sarkophag in der St.-Brigittes-Kapelle an der Seite seiner Frau begraben werden. Mit dem Einverständnis von Königin Margrethe geht Prinz Henrik auch in dieser Hinsicht eigene Wege.

Allen Krisengerüchten und Ausbrüchen zum Trotz gab es für langjährige Königshauskenner allerdings nie einen Zweifel an der tiefen Verbundenheit des königlichen Paares. So fällt es schwer, sich Königin Margrethe ohne Prinz Henrik im Hintergrund vorzustellen. Hinter jeder starken Königin steht (und stand) ein starker Mann, der ihr das Amt durch seinen Rückhalt leichter machte.

Dänemarks Königin der Farben Königin Margrethe (1236738)

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