Gewalt und sexuelle Übergriffe: Pulp Fiction und die Folgen: Uma Thurman packt über Weinstein aus – und klagt Tarantino an

Seitdem das Schweigekartell um Harvey Weinstein gebrochen ist, haben sich viele Schauspielerinnen getraut, ihre Erlebnisse mit dem Hollywoodproduzenten zu berichten. Machtmissbrauch, sexuelle Übergriffe – schlimme Dinge sind ans Licht gekommen. Eine Schlüsselfigur aber hat – abgesehen von Andeutungen – bisher geschwiegen, auf deren Erzählung viele gewartet haben: Uma Thurman.

Nun hat Thurman mit der “New York Times” ausführlich über den Mann gesprochen, der unter anderem Quentin Tarantinos Welthits “Pulp Fiction” und “Kill Bill” produzierte – jeweils mit Uma Thurman in der Hauptrolle. Es sind Filme über Gewalt und Rache und starke Frauen. “Pulp Fiction” machte Thurman 1994 weltberühmt, das Filmplakat mit der von ihr verkörperten Mia Wallace wurde zur Ikone. Der Film brachte sie aber auch in Kontakt mit Harvey Weinstein, von dem viele Kolleginnen das Bild eines hemmungslosen Sexmonsters gezeichnet haben.

“Er tat alle möglichen unangenehmen Dinge”

Thurman berichtet, Weinstein habe sich ihr in einem Pariser Hotelzimmer genähert – wobei sie sich zunächst nicht bedroht gefühlt habe. “Ich dachte, er ist sehr eigenartig, wie ein schräger, exzentrischer Onkel”, erzählt Thurman der “Times”. Aber schon kurz darauf, in der Londoner Hotelsuite des Produzenten, habe dieser sie körperlich angegriffen. “Er stieß mich nieder. Er versuchte, sich auf mich zu schieben. Er versuchte, sich auszuziehen. Er tat alle möglichen unangenehmen Dinge.” Letztlich habe er sie aber nicht mit letzter Konsequenz gezwungen und sie habe sich ihm entwinden können “wie eine Eidechse”.

Weinsteins Management erklärte der “New York Times” dazu, der Produzent habe in England Annäherungsversuche unternommen, nachdem er Thurmans Signale in Paris missgedeutet habe. Er habe sich umgehend entschuldigt. 25-#Metoo: Auch Uma Thurman ist ein Opfer-5658023319001

Wie Lämmer zur Schlachtbank

Nach dem Vorfall in London erklärte Thurman Weinstein, wenn er sich auch anderen gegenüber so verhalte, werde er seine Karriere verlieren. Dennoch sei es auch ihr gegenüber zu einem weiteren ähnlichen Vorfall gekommen. 2001 habe Tarantino Weinstein auf seine Übergriffe angesprochen, worauf Weinstein ihr eine halbgare Entschuldigung gegeben habe.

Thurman sagt, wie schlecht sie sich fühle angesichts der vielen Frauen, die nach ihr von Weinstein angegriffen wurden. “Ich bin einer der Gründe, warum junge Frauen mit ihm allein in einen Raum gegangen sind, so wie ich es getan habe”, sagte Thurman. “Quentin hat Harvey als Produzenten für ‘Kill Bill’ genommen, einen Film, der weibliche Emanzipation (‘female empowerment’) symbolisiert. Und alle diese Lämmer sind zur Schlachtbank gelaufen, weil sie überzeugt waren, dass niemand, der in so eine Position kommt, dir etwas Illegales antun würde, aber sie tun es.”

Tarantino bespuckte und würgte Thurman

In dem langen Gespräch mit “New York Times”-Autorin Maureen Dowd macht Thurman aber auch ihrem Regisseur Quentin Tarantino schwere Vorwürfe. Dabei geht es nicht um sexuelle Übergriffe, sondern Gewalt anderer Art. Bei den Dreharbeiten zu “Kill Bill” habe Tarantino einige der sadistischen Handlungen selbst vorgenommen. Er habe ihr höchstselbst ins Gesicht gespuckt (im Film sieht es so aus, als ob Michael Madsen dies tut) und mit einer Kette gewürgt (im Film tut dies die Figur Gogo).

Außerdem nimmt Thurman es Tarantino bis heute übel, dass er sie dazu gedrängt hat, in “Kill Bill” einen Auto-Stunt selbst zu machen statt ein Stunt-Double einzusetzen. Thurman kam von der Strecke ab, crashte in einen Baum und verletzte sich an Hals und Knien. “Quentin und ich hatten einen großen Streit und ich beschuldigte ihn, dass er versucht mich umzubringen”, erzählt Thurman. Sie habe daraufhin versucht, das Videomaterial des Crashs zu bekommen, um möglicherweise rechtliche Schritte einzuleiten. Das Video erhielt sie erst 15 Jahre später. 03-Hollywood Frauen Golden Globes Schwarz Weinstein

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